Stephen Gill – Coexistence – signiert

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152 Seiten

Hardcover
21.5 x 28.0 cm (8.5 x 11 in.)
Englisch
Erstausgabe, 2012
Nobody books

Signiert

"Im Sommer 2010 wurde ich angefragt, ob ich Interesse daran hätte, eine photographische Arbeit über eine Industriebrache in Dudelange, Luxemburg zu machen. Diese ist ein Überbleibsel der aufgegebenen lokalen Stahlindustrie.Dieser Ort hat einen Teich. Damals stammte meine einzige Erfahrung mit Teichen aus meinen Teenager-Jahren. In meiner Jugend sass ich wegen meiner Besessenheit von Teichbewohnern stundenlang im meinem Schlafzimmer. In einen Laborkittel gehüllt starrte ich durchs Mikroskop. Diese Besessenheit dieser seltsamen und verwirrenden Welt, prägte mich. Sie hat sicherlich Spuren auf vielen meiner photographischen Arbeiten hinterlassen. Mir war klar, dass es im Teich in der Brache von Dudelange von fremdem Leben wimmeln würde. Von 1920 bis 2006 wurde der Teich zur Kühlung der Hochöfen verwendet. Durch die Abwesenheit dieser extremen Hitze, würden sich bestimmt kleine aber dichte Gemeinschaften von Teichbewohnern gebildet haben. In den acht Monaten vor meinem Besuch des Gebiets, kreisten meine Gedanken immer mehr um mikroskopische Welten. Mir fielen zunehmend Parallelen zwischen den Strukturen und Vorgängen in einem Teich und unserem eigenen Leben als Individuen in der Gesellschaft auf. In einem längeren Prozess widmete ich mich dem Versuch, diese beiden offensichtlich unterschiedlichen Welten – so nah beieinander und doch so unterschiedlich im Maßstab - bildlich näher zusammen zu bringen. Ich wollte diese koexistierenden Teile des Lebens, welche auf den ersten Blick weder zusammen gehören noch zusammen sichtbar sind, miteinander zu verbinden. Nach langem Ringen entschied ich eine Art Bildteppich anzufertigen. Freundlicherweise brachte man mir an der Universität von Luxemburg bei, eines ihrer medizinischen Mikroskope zu bedienen. Dank dieser Hilfestellung war ich in der Lage einzelne Wassertropfen aus dem Teich zu untersuchen, dabei suchte ich nach Kieselalgen und anderen winzigen Tieren und Pflanzen. Je mehr ich darüber nachdachte wie wichtig der Faktor Mensch für den Kosmos des Teich ist, desto mehr wollte ich lokale Menschen aus der Kleinstadt in das Projekt mit einbeziehen. In Dudelange lebt eine grosse Anzahl von Familien mit portugiesischer und italienischer Abstammung. Viele von ihnen haben früher in der Stahlindustrie gearbeitet. Aus Gesundheits- und Sicherheitsgründen war es nicht möglich die Leute auf das Gelände des Kühlteichs einzuladen. Daher beschloss ich den Teich zu den Leuten zu bringen. Ich füllte einen roten Plastikeimer mit Wasser aus dem Teich. In diesen tauche ich jeweils meine Unterwasserkamera bevor ich ein Portrait aufnahm. Später tunkte ich die Ausdrucke in den Teich selbst, so dass auch die Mikroorganismen vom Wasser auf das Papier übertragen wurden." – Stephen Gill