Jules Spinatsch, Michael Wolf  among others

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Wir alle meinen, uns mit Nachbarn bestens auszukennen. Denn jeder hat einen und jeder ist einer. Das Thema erscheint auf den ersten Blick relativ simpel, doch kann es ziemlich komplexe Fragen aufwerfen. Wie nah wollen wir unserem Nachbarn sein? Wieviel darf oder soll er von uns wissen? Was tragen wir persönlich zu einer angenehmen Nachbarschaft bei und ist persönlicher Austausch und Fürsorge für die Nachbarschaft überhaupt noch zeitgemäss?


Die Nachbarschaft sucht man sich im besten Fall aus, nicht aber die Nachbarn jenseits der Wand oder auf der anderen Seite des Zauns. Meist handelt es sich um ein mehr oder weniger zufälliges Zusammentreffen von Individuen. Von Menschen mit ganz eigenen Charakteren, unterschiedlichen Kulturen und Vorstellungen. Was wir über unsere Nachbarn wissen – oder eben gerade nicht wissen wollen – wird ganz wesentlich von sinnlichen Wahrnehmungen bestimmt. Denn mit den Menschen nebenan tauschen wir uns mit allen Sinnen aus: Wir hören, sehen, riechen ihre alltäglichen Gewohnheiten und Befindlichkeiten. Dass diese nachbarschaftliche Beziehung deshalb auch ein grosses Konfliktpotenzial birgt und Einfluss auf unser Wohlbefinden hat, verwundert nicht.


Nachbarschaft lässt sich nicht wirklich planen. Denn Nachbarn kommen und gehen. Nachbarschaft entzieht sich somit einer zentralen Steuerung und organisiert sich selbst. Dennoch wird in der Planung von Wohn- und Stadtraum darüber nachgedacht, wie sich Umfeld und Nachbarschaft lebenswert gestalten lassen. Und es werden vor allem in den letzten Jahren sowohl städtebauliche wie auch künstlerische Projekte initiiert, die jeden zum Mittun auffordern. Schliesslich trägt auch jeder einzelne Verantwortung für ein gelingendes Miteinander.


Die Ausstellung basiert auf alltäglichen Beobachtungen sowie wissenschaftlichen Erkenntnissen und gibt Einblicke in die unterschiedlichen Wissensfelder, die sich – ganz aktuell – mit dem Thema Nachbarschaft auseinandersetzen. Sie geht mittels Gegenwartskunst, wissenschaftlichen Beiträgen und Alltagskultur verschiedenen Aspekten nachbarschaftlichen Zusammenlebens nach und erörtert die Frage, was wir für uns selbst und für ein gutes Zusammenleben lernen, wenn wir den Mikrokosmos menschlicher Gemeinschaft erkunden.


Kuratorium: Dr. Nina Wiedemeyer und Felix Sattler, Exponenten GbR, Berlin

Szenografie:NAU2 GmbH, Zürich


Die Ausstellung zeigt Werke folgender Kunstschaffender: Stefan Banz, Stéphanie Beaulieu, Andres Bosshard, Heidi Bucher, Volker Gerling, Anke Heelemann, Andreas Herzau, Bettina Hutschek, Janina Janke & Bill Dietz, Andreas Koch, Norman McLaren, Peter Piller, Matthias Richter, Stephan Schenk, Jean-Frédéric Schnyder, Kateřina Šedá, Sarah van Sonsbeeck, Jules Spinatsch, Arne Svenson, Meret Wandeler & Ulrich Görlich, Anna Wiesinger.


Mit einer installativen Arbeit der ZHAW, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, zur komplexen Beziehung zwischen Menschen und Pflanzen: Monstera deliciosa