Dominique Teufen

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Die Künstlerin Dominique Teufen verführt die Besucherinnen und Besucher des Kunstraums Aarau in einen Graubereich und dies gleich in mehrfacher Hinsicht. Über den Graubereich als farbliches Element hinaus definiert dieser Begriff gleichzeitig ein nicht klar zuordnungsbarer Raum, sozusagen ein Spannungsfeld, in dem weder das Eine noch das Andere wirklich ist. Dieser Ansatz ist integraler Bestandteil Teufens installativer Arbeiten, in denen sich bei genauerer Betrachtung das Scheinbare als Illusion erweist – eine neue aussergewöhnliche Realität offenbart sich den Betrachtenden. Das, was ist, entrückt sich unserer Wahrnehmung, während das bisher nicht Gewesene sich uns unversehens eröffnet. Täuschung oder Wahrheit? Der Graubereich schafft einen Dialog zwischen Fiktion und Realität und bricht die Grenze zwischen Richtig und Falsch.

So erweist sich die suggestive Wirklichkeitsinterpretation eines im Kunstraum Aarau ausgelegten Riemenparkettbodens gleich mehrfach als falsch. Zwar entlarven die Betrachtenden den in grauen Farbtönen wiedergegebenen Boden rasch als unecht, doch entspricht auch diese Erkenntnis nicht der Realität. Die Künstlerin suggeriert den vollends ins schwarzweiss desaturierten Boden eigenhändig gezeichnet zu haben – liegen zumal an einer unvollendeten Stelle des Parketts Bleistifte, Lineal und Radiergummi herum. Die künstlerischen Werkzeuge sind allerdings nur Abbildungen der realen Gegenstände und so erweist sich auch diese Wahrnehmung als unwahr, als eine Attrappe, die die Betrachtenden an eine weitere Illusion glauben lässt.

Anders verhält es sich mit den stimmungsvollen Gebirgs- und Meereslandschaften der Künstlerin, deren Tonalität den Graubereich des Farbspektrums wiedergibt. Man glaubt beeindruckende Bergflanken, mächtige zerfurchte Gletscher oder von den Gezeiten zerklüftete Küstenstriche wahrzunehmen – Bilder, die man aus Abbildungen bekannter Fotobücher kennt, jedoch niemand unter uns tatsächlich gesehen hat. Das Trugbild scheint perfekt, die gedankliche Reise in eine geglaubte Realität hat begonnen. Unsere suggestive Wahrnehmung zeichnet Bilder pittoresker Landschaften, die in Wirklichkeit allesamt Produkte einer handelsüblichen Kopiermaschine sind. Die imposante Gebirgskette entpuppt sich als ein banaler dünner Plastiksack, der idyllische Strand als verbrauchter Kaffeesatz und der eindrucksvolle Gletscher als blosse Anreihung von Wattebäuschen.

Eine dieser Berglandschaften ist die Arbeit Selfiepoint, bei der die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung eingeladen werden ein Selfie von sich vor dieser grossformatigen Landschaft zu schiessen. Mit dieser Rauminstallation schafft Teufen einen kritischen und zugleich witzig-ironisch Bezug zu einem aktuellen Thema. Im heutigen Zeitalter von Smartphones und der damit verbundenen permanenten Selbstdarstellung auf den Social Media-Plattformen dient das Selfie als Beleg des eigenen Lebensstils als Jetsetter aber auch als Beweismittel dafür, dass der besuchte Ort tatsächlich existiert. Teufen führt diesen Sachverhalt ad absurdum, indem die Besucherinnen und Besucher Teil des Illusionsspiels werden. Das von sich geschossene Selfie im Kunstraum wird zu einem trügerischen Daseinsbeweis einer wundersamen Landschaft, die jedoch keine fassbare Realität ist, sondern nur eine Bild gewordene Erfindung der Künstlerin.