Portraits sous surveillance

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Der Europäische Monat der Fotografie (EMOP) nimmt seit seiner Einführung im Jahre 2006 einen wichtigen Platz in der Programmgestaltung des MNHA ein. Portraits under surveillance (Portraits unter Überwachung), der Titel der Auflage 2017, ist Teil der Ausstellungsreihe Looking for the Clouds - Contemporary Photography in Times of Conflict, ein Gemeinschaftsprojekt der Organisation EMOP, ein Zusammenschluss verschiedener Institutionen aus acht europäischen Hauptstädten (Athen, Berlin, Bratislava, Budapest, Ljubljana, Luxemburg, Paris, Wien).

Ausgehend von den dramatischen Geschehnissen des 11. Septembers 2001 in New York, setzt sich die Ausstellung mit der Entwicklung der Fotografie seit den Anschlägen auf das World Trade Center auseinander. Sie verweist nicht nur auf die von politischen Behörden im Kampf gegen den Terrorismus eingeführten Überwachungs- und Kontrollmechanismen, sondern auch auf die direkten und indirekten Auswirkungen dieser Maßnahmen. Die Kontrolle der Bewegung der Bürger, ob verdächtig oder nicht, durch fotografische Prozesse steht in Verbindung mit einer umfangreichen Archivierung verschiedenster Daten aus dem Alltagsleben jedes Einzelnen (Reisen, Einkäufe, Beziehungen, usw.).

Alle öffentlichen Orte sind heute videoüberwacht, besonders Flughäfen, Bahnhöfe und große Geschäfte, aber auch kulturelle Einrichtungen. Drohnen (daher der Titel des Projekts) und mobile Kameras, oft nur schwer zu erkennen, gewinnen sowohl in militärischen als auch in zivilen Bereichen stetig an Präsenz. Gesichtserkennung, das heißt die Identifikation und Klassifizierung von Individuen, ist heute eine gängige Aufgabe staatlicher Organe und privater Firmen.

Die Werke der Ausstellung greifen auf unterschiedliche Art und Weise diese neue Art der Bilderstellung und der Datenverarbeitung auf. Sie zeigen wie der Mensch auf gespeicherte Daten reduziert wird. Der distanzierte und reduzierte Stil der Aufnahmen, deren Ästhetik sich vom klassischen Schönheitsideal unterscheidet, steht im Gegensatz zu der individuellen Ausdruckskraft der humanistischen Fotografie. Personen werden klassifiziert, ihre Züge schematisiert. Das Individuum wird zum Datenmodell.