Tut en Flur - in voller Blüte

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„Tut en flur“ kuratiert von Miryam Abebe mit den Fotografinnen Anna Halm Schudel, Denise Haschke, Brigitte Lustenberger und Elena Parris vereint vier Künstlerinnen, die Blumen und Blüten in fotografischer Hinsicht verschieden wahrnehmen und darstellen.  

Anna Halm Schudel zeigt aus ihrem Langzeitprojekt, welches sie seit 25 Jahren begleitet Blumenkelche, Blütenblätter und Blütenstempel von Rosen. Sie zelebriert die leuchtende Farbenpracht und die Formenvielfalt, indem sie die Blumensträusse ins Wasser taucht und ein Blumenmeer malt. Sie lichtet nicht nur die Frische der Blüten ab, sondern auch den Prozess des Ausbleichens, Verdorrens und manchmal auch das Verfaulen ab. Von Denise Haschke ist ein vielfältiges Erbari engiadinais mit Campanula, Clematis tamangutica, Papaver und vielen anderen Blumen in Form von Cyanotypien und Lumenprints zu sehen. Sie rückt das Unspektakuläre und das Verborgene in den Mittelpunkt - Dinge aus der Natur und insbesondere des alpinen Lebensraums.  Das Werk ist inspiriert und geschaffen in der Berglandschaft und beeinflusst von der tiefen Verbundenheit mit der Natur. Von Brigitte Lustenberger sind Bilder der Serie „Flowers“ zu sehen, in welchen sie das Thema Vergänglichkeit, durch das Beobachten und Inszenieren vom "Vergehen und Verwelken" von Blumen in den Vordergrund stellt. Sie bannt den Prozess mithilfe der Fotografie auf ein Negativ, das dem Innehalten eines Augenblicks gleichkommt und versucht somit mit dem „Momentfesthalten“ den Zerfall aufzuhalten. Auch Elena Parris’ gleichnamige Serie „Flowers“ inszeniert Blüten, indem sie sie zerpflückt, zerrupft und zu einer neuen scheinbar perfekten Blüte arrangiert. Sie lässt die filigranen Blütenblätter und Blütenstempel miteinander tanzen und ein neues Bild zeichnen.


Als Fotografin handelt Brigitte Lustenberger akribisch wie eine Wissenschaftlerin, ästhetisch wie eine barocke Malerin und poetisch wie eine Lyrikerin.

— Festival Darmstadt


„Meine Arbeit hinterfragt unsere Vorstellungen von Vergänglichkeit und zeigt poetisch die ephemere, fragile, aber auch grausame Schönheit von Verfall, Alter und Tod.

Mit Licht als meinen wertvollsten Verbündeten zeige ich Stille und Atmosphäre, Blumen und Insekten, denen ich versuche, eine Seele zu verleihen und die geheimnisvolle, flüsternde Geschichten über die Schönheit des Todes und seiner Überreste erzählen. Normalerweise entsorgen wir leicht abgestossen tote Insekten und verwelkte Blumen. Ich empfinde keinen Ekel, sondern erlebe eine verlorene, verzückte Welt von verwelkten und verblassten Dingen: eine wunderschön verblühte Blume, die Zärtlichkeit eines Insektenflügels, eine Spur Licht auf eine fast vergessene Welt.


Für meine Chiaroscuro-Stillleben gehe ich buchstäblich auf die Bedeutung des Wortes Porträt zurück, das vom lateinischen Wort portrahere abstammt. Es bedeutet, etwas ans Licht zu bringen. Für meine analogen Bilder verwende ich als Lichtquelle nur natürliches Tageslicht, das durch ein Fenster kommt. Die Bilder sind von einer ruhigen Reduktion, die der Fantasie der Betrachtenden überlassen bleibt.

Mit einem prozessorientierten Ansatz und wie eine Wissenschaftlerin sammle ich Blumen und tote Insekten und fixiere sie auf Glasdias — mit Salz, Haarspray, Klebeband oder in Salzwasser, um sie auf dem Objektträger anzutrocknen, zu fixieren. In der Zeit eingefroren, zerfallen sie weiter — und werden zu dekonstruierten wissenschaftlichen Abstraktionen. Mit diesen unglaublich fragilen Dias erforsche ich die Zerbrechlichkeit des Lebens.


Ich arbeite an der Schnittstelle von (fotografischen) Lichtbildern, Projektionen, Fotogrammen und Dias und verwende und mische verschiedene Medien. Ein Leuchttisch zeigt die Original-Dias als fotografische Skulpturen. C-Prints verwandeln die Dias in abstrakte Bilder, deren wunderschöne Details erst durch die fotografische Vergrösserung sichtbar werden. Diaprojektoren verwandeln die halbtransparente Körperteile der Insekten in zerbrechliche Projektionen. Die Dias sind ephemer wie das elektronische Licht, das die Projektoren antreibt: Sobald die Stromversorgung unterbrochen wird, verblassen die Bilder spurlos in der Dunkelheit.“

— Brigitte Lustenberger


Am 6. Juli findet ab 16 Uhr eine Ausstellungsführung mit der Künstlerin Brigitte Lustenberger statt.