Day and Night
In der Serie Day and Night entwickelt Jung Lee fotografische Arbeiten auf der Grundlage von Neon-Textinstallationen, die im spezifischen räumlichen Kontext nächtlicher Landschaften, häufig direkt im Wasser, positioniert sind.
Die Serie arbeitet mit einem erweiterten sprachlichen Repertoire aus Begriffen, die sich um Nähe, Bindung, Versprechen, Vergänglichkeit und existenzielle Zustände bewegen. Diese Sprache ist zugleich unmittelbar verständlich und kulturell stark aufgeladen. In Anlehnung an Dantes Divina Commedia verweisen die Worte auf grundlegende Übergänge und Erfahrungen, ohne diese eindeutig festzuschreiben. Durch ihre Verlagerung in isolierte Umgebungen werden die Begriffe aus ihrem gewohnten Zusammenhang gelöst und verlieren ihre unmittelbare Eindeutigkeit. Sie beginnen zu oszillieren zwischen Intimität und Allgemeingültigkeit, zwischen persönlicher Aussage und kollektiver Projektion.
Die Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Skulptur, Installation und Fotografie. Während die Neon-Elemente als physische Objekte existieren, konstituiert die fotografische Aufnahme das endgültige Werk. Spiegelungen, insbesondere im Wasser, spielen eine zentrale Rolle in der Bildstruktur und erzeugen eine Verdopplung des Textes. Sprache wird in Day and Night nicht als Träger von Bedeutung eingesetzt, sondern als Material. Ihre Lesbarkeit wird durch Fragmentierung, Wiederholung und räumliche Verschiebung partiell aufgehoben. Die Serie untersucht die Grenzen sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten, insbesondere im Hinblick auf abstrakte und existenzielle Begriffe.