Karla Hiraldo Voleau – Another Love Story

Another Love Story ist die Geschichte einer intimen Wunde, die sich in einen entschlossenen Akt der Schöpfung verwandelt. Ursprünglich als romantische Hommage an ihren ehemaligen Partner (bezeichnet als „X“) konzipiert, erfindet sich das Projekt grundlegend neu, als die Künstlerin am Ende einer einjährigen Beziehung entdeckt, dass dieser Mann ein Doppelleben mit einer anderen Frau („Sie“) führt.
In dem Versuch, dieses Trauma zu heilen, holt Hiraldo Voleau alle privaten Fotos aus der gescheiterten Beziehung hervor, zunächst um sie zu betrachten, dann beschließt sie schnell, sie identisch zu reproduzieren. Mit Hilfe eines Schauspielers, den sie wegen seiner unglaublichen Ähnlichkeit mit X engagiert hat, kehrt sie an die Orte und Momente zurück, die ein Jahr voller Lügen ausgemacht haben. Die Fiktion scheint näher an der Realität zu sein, denn diesmal ist alles wahr, sie hat die Kontrolle.
Präsentiert in Form von Rastern, die an einen Instagram-Feed oder eine Smartphone-Fotobibliothek erinnern, regt das Werk zum Nachdenken über die Inszenierung der Liebe und die schwer fassbare Rolle der Fotografie an, dem bevorzugten Medium der Erinnerung und der Vortäuschung, das dennoch niemals die Wahrheit eines Paares wirklich einfangen kann. Die Transkription des Telefonats mit „Her“, in dem die beiden Frauen den Betrug erkennen, ist letztlich symbolischer für Liebe und Respekt als der Rest der Geschichte und unterstreicht die Lesart der Serie.
Karla Hiraldo Voleau rückt die Szene des Schmerzes ohne Scham oder Scheu wieder in den Mittelpunkt des kreativen Prozesses und verwandelt sie in ein lebendiges, fast therapeutisches Material. Die Entdeckung des Doppellebens von X lässt sie nicht am Boden zerstört zurück, sondern zwingt sie dazu, in der Kunst einen Weg zu finden, ihre Stimme und ihre Kraft zurückzugewinnen.