Miles Aldridge

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‘Ich denke, dass eine fiktionale mise-en-scène wahrheitsgemässer sein kann als die Dokumentation der Wirklichkeit, insbesondere in Zeiten von Fake News.’


                                                                                                      – Miles Aldridge, 2019


Die Christophe Guye Galerie freut sich sehr, die neue Ausstellung Screenprints, Polaroids and Drawings mit Werken des renommierten britischen Fotografen und Künstlers Miles Aldridge anzukündigen. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Aldridges jüngste Auseinandersetzung mit der Technik des Siebdrucks (‘screenprinting’) - seine neue Art fotografische Aufnahmen darzustellen. Sein hyper-farbiges Werk ist bekannt für seine filmischen Abbildungen des Seltsamen und Surrealen im modernen Leben. In dieser Ausstellung wird Aldridges Bildsprache der ‘Noir Beauty’ hervorgehoben, die, durch die erhöhte Farbintensität und Textur des Siebdrucks, nostalgisch an Pin-up-Magazine und Pulp Fiction Buchumschläge erinnert.

Aldridge, 1964 in London geboren, studierte an der Central St. Martins School of Art, bevor er sich der Fotografie zuwandte. Seine Arbeiten wurden weltweit in Museums- und Galerieausstellungen gezeigt, darunter in einer Retrospektive im Somerset House in London im Jahr 2013. Nur ein Jahr später wurde er von der Tate Britain eingeladen, eine fotografische Installation als Antwort auf Mark Gertlers 1916 entstandenes Gemälde Merry-go-Round zu schaffen. Seine Werke sind in den permanenten Sammlungen mehrerer Institutionen wie dem British Museum, der National Portrait Gallery und dem Victoria and Albert Museum in London, der Foundation Carmignac und dem Palais Galliera Musee de la Mode de la Ville de Paris sowie dem International Centre of Photography in New York.


Eine der Serien, (after Miller), die in der Ausstellung zu sehen sind, zeigt Aldridges Antwort auf das Werk des Malers Harland Miller. Indem er sich Millers bekannten Pinguinbuch-Cover-Gemälde innerhalb seiner eigenen Pin-up-Szenen aneignet, erschafft Aldridge ein Tandem von Persönlichkeiten, die die soziale Psyche des Aufwachsens in den 1960er und 1970er Jahren kommentieren.  


Durch die Einbeziehung von Aldridges Zeichnungen und Polaroids in die Ausstellung wird der Entwicklungsprozess offenbart und veranschaulicht die Parallelen in der Erzählung von der ersten Konzeption der Idee bis zum endgültigen Kunstwerk. Wie der Kunstkritiker Michael Bracewell über Aldridge schreibt: "In seiner Arbeit verschmilzt die Spannung des ‘Film Noir’ mit der Lebendigkeit des Pop und des Post-Pop; was Bilder der wissenschaftlichen fiktiven Erotik sein könnten, vermischen sich mit einer hyperstilisierten Darstellung der einheimischen britischen Umgangssprache; die Bildsprache eines Centerfold-Pin-ups aus der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts artikuliert eiskalt entpersonalisiertes Verlangen".


Ein zentraler Bestandteil der Ausstellung ist ein neuer grossformatiger Siebdruck mit dem Titel Tan Lines, der erstmals gezeigt wird, bevor er im März auf der New Yorker Armory Show präsentiert wird. Der Umfang dieses Drucks macht ihn zu Aldridges bisher anspruchsvollstem Siebdruck und wie bei vielen der gezeigten Werke setzt er seine Faszination fort, die Darstellung der weiblichen Protagonistinnen durch Hollywood und das europäische Kino zu düsteren, häuslichen Szenen der modernen Verzweiflung zu subvertieren und Bilder mit Ironie und vielschichtiger Intrige zu schaffen.


Aldridge setzt sich mit der Frage auseinander: ‘Heutzutage kann jeder ein anständiges Foto aufnehmen, also was bedeutet das Medium heute?’ Screenprints, Polaroids and Drawings lädt uns ein, in die Medien von Miles Aldridge einzutauchen, die aus Vorzeichnungen, Polaroidstudien und Drucktechniken bestehen und bisher unveröffentlichte Werke einschliessen. Jedes Bild wurde sorgfältig gestaltet, um eine lebendige, traumhafte Welt zu schaffen, die zwischen Kino, Fotografie und Kunst liegt, wo seine Bilder eine Geschichte erzählen, die über ihren physischen Rahmen hinaus geht.