Temperature
Eine jüngere Werkserie, in der Yokota seine Auseinandersetzung mit Materialität und Transformation weiter intensiviert. Die Arbeiten entstehen aus Negativen, die Hitze, Lichtlecks und chemischen Reaktionen ausgesetzt werden, sodass physische Spuren direkt in die Bildoberfläche eingeschrieben werden. Das fotografische Bild wird nicht bewahrt, sondern gezielt belastet und verändert.
In Temperature wird die Fotografie zugleich Objekt und Ereignis. Figuren und Räume lösen sich in instabile Tonfelder auf und oszillieren zwischen Abstraktion und Restfiguration. Die sichtbare Beanspruchung des Materials erzeugt eine fast volatile Präsenz. Die Serie versteht Fotografie nicht nur als Repräsentation, sondern als Resultat von Temperatur, Druck und Zeit.
Room/monitor
Room/monitor ist ein im Selbstverlag erschienenes Buch, das im Rahmen eines Auftrags für das Magazin Vostok No.2 „Violence“ entstand, bei dem Yokota die Kollektion Comme des Garçons Homme Plus Fall/Winter 2019 fotografierte. Dabei trug er die Kleidungsstücke selbst während des Fotografierens.
Die Serie transformiert den redaktionellen Rahmen in eine persönliche Untersuchung von Identität und Wahrnehmung. Bildschirme, Spiegelungen und räumliche Fragmentierungen strukturieren die Arbeiten und erzeugen eine vielschichtige, teils irritierende Bildwirkung. Anstelle einer reinen Dokumentation entsteht ein Werkkomplex, der die Grenzen zwischen Beobachter und Motiv, Inszenierung und Realität bewusst verwischt.
Sludge
In Sludge treibt Yokota das fotografische Bild in Zustände von Verdichtung und Auflösung. Durch wiederholtes Re-Fotografieren, Scannen und materielle Eingriffe wirken Formen verschluckt oder teilweise ausgelöscht, als würden sie in einer zähen visuellen Masse versinken. Die Bildoberfläche erscheint schwer und widerständig.
Die Serie reflektiert die Instabilität von Erinnerung und Wahrnehmung. Motive treten zugleich hervor und verschwinden wieder, gefangen in einem fortlaufenden Transformationsprozess. Anstelle von Klarheit setzt Sludge auf Opazität und Verzerrung. Fotografie wird hier weniger als Fenster zur Welt verstanden, sondern als sedimentierter Raum der Ungewissheit.
Sediment
Sediment knüpft an Yokotas Interesse an Schichtung, Akkumulation und Wiederholung an. Die Arbeiten erinnern an geologische Prozesse, bei denen sich über Zeit hinweg Schichten ablagern. Mehrfachbelichtungen und Eingriffe verdichten das Bild zu einer strukturierten, komprimierten Oberfläche.
Die Arbeiten tragen Spuren zeitlicher Verdichtung in sich. Fragmente überlagern sich und verschmelzen, sodass jedes Bild als Ergebnis mehrerer Zustände erscheint. Fotografie wird hier als materielle Erinnerung gedacht. Nicht ein einzelner Moment wird fixiert, sondern eine Folge von Transformationen, die sich in einer komplexen Oberfläche bündeln.
Color Photographs
In Color Photographs erweitert Yokota seine experimentelle Praxis um eine gesteigerte chromatische Intensität. Kräftige Farbtöne, abrupte Verschiebungen und unerwartete Inversionen lösen sich von jeder rein beschreibenden Funktion. Farbe wird zum strukturbildenden Element, das Raum und Atmosphäre definiert.
Trotz der visuellen Intensität bleibt der Prozess zentral. Re-Fotografieren, digitale Eingriffe und physische Manipulation prägen auch diese Serie. Farbe dient nicht der Illustration, sondern verstärkt Ambivalenz und Instabilität. So verschiebt Yokota die ästhetischen Konventionen der Fotografie und öffnet sie für eine neue sensorische Erfahrung.
Cloud
In cloud rückt Yokota die Immaterialität des Bildes in den Vordergrund. Formen scheinen in weichen, diffusen Feldern zu schweben und verlieren ihre feste Kontur. Die Serie entfernt sich von der greifbaren Räumlichkeit und widmet sich Zuständen des Übergangs und der Verflüchtigung.
Digitale Prozesse und wiederholtes Re-Fotografieren lassen Konturen verschwimmen und Strukturen teilweise verschwinden. Das Bild wird zu einer beweglichen, instabilen Oberfläche, die sich jeder eindeutigen Festlegung entzieht. cloud versteht Fotografie als fluide Erscheinung, als etwas, das sich zwischen Präsenz und Auflösung entfaltet.
site/cloud
site/cloud untersucht das Spannungsverhältnis zwischen physischem Ort und immaterieller Erscheinung. Architektonische oder räumliche Referenzen werden durch analoge und digitale Eingriffe destabilisiert und in atmosphärische Felder überführt. Die Stabilität des „site“ löst sich zunehmend auf, während „cloud“ als Metapher für Zerstreuung und Wandel fungiert.
Die Serie reflektiert eine Gegenwart, in der Bilder zwischen physischem und digitalem Raum zirkulieren. Oberflächen erscheinen zugleich dicht und flüchtig. Durch das Wechselspiel von Struktur und Auflösung thematisiert site/cloud, wie Fotografie Raum in einer Epoche permanenter Veränderung verhandelt.
Nocturnes
In nocturnes wird Dunkelheit selbst zum zentralen Thema. Geringe Lichtquellen, Schatten und Körnung prägen die Kompositionen und erzeugen eine intime, konzentrierte Atmosphäre. Sichtbarkeit wird reduziert, Formen treten nur allmählich hervor.
Die Serie untersucht die Schwelle zwischen Präsenz und Abwesenheit. Dunkelheit wirkt nicht als Mangel, sondern als aktives Gestaltungselement, das Raum und Tiefe formt. Anstatt vollständige Klarheit herzustellen, lässt Yokota Ambiguität zu und betont die sensorische und psychologische Dimension fotografischer Wahrnehmung.